Die WDR-Kino-Koproduktion „Im toten Winkel“ nimmt ein persönliches Schicksal im politisch aufgeladenen Nordosten der Türkei zum Ausgangspunkt:
Für ein deutsches Dokumentarfilmprojekt ist Simone am Schicksal der Kurdin Hatice interessiert, deren Sohn entführt wurde. Sonderbare Zwischenfälle überschatten die Dreharbeiten. Es entfaltet sich ein harter Politthriller in drei Kapiteln, der multiperspektivisch aus Dokumentarfilmaufnahmen, Handyvideos und Überwachungskameras erzählt wird und die Brutalität erbarmungslos konsequent sichtbar macht. Zu sehen ist „Im toten Winkel“ ab 8. März 2026 in der ARD Mediathek.
Autorin und Regisseurin Ayse Polat: „Der Film versteht sich nicht als nationale Erzählung, sondern als Reflexion autoritärer Systeme überall dort, wo Überwachung, Repressionen und Lügen zur Normalität werden und Angst zum politischen Werkzeug. Trauma ist in diesen Systemen kein Ausnahmezustand, sondern ein strukturelles Produkt. Seit seiner Entstehung hat der Film an Aktualität und Dringlichkeit gewonnen. Wir werden Zeugen, wie autoritäre Regierungen weltweit metastasieren.“
Alexander Bickel, Leiter des WDR-Programmbereichs Fiktion: „Zur Grammatik politischer Gewalt gehört die Kontrolle über das, was sichtbar wird – und was vor dem entlarvenden Blick der Wahrheit verschlossen bleibt, im toten Winkel eben. Ayse Polats Film richtet unseren Blick mit schmerzlicher Klarheit in diesen toten Winkel hinein und bringt ans Licht, was im Geheimen geschieht. Ein Stoff, der nicht nur seiner analytischen Schärfe wegen unter die Haut geht, sondern weil er erlebbar macht, dass es immer Menschenleben sind, die im toten Winkel auf dem Spiel stehen. Wir freuen uns als Senderpartner, dieses Paradebeispiel für relevantes Erzählen einem breiteren Publikum in der ARD zugänglich machen zu können.“
Der Film arbeitet mit wechselnden Perspektiven und reflektiert das Sehen in all seinen Formen – vom dokumentarischen Blick bis zur Überwachung. Kameras strukturieren die Wahrnehmung und erzeugen ein Klima von Misstrauen und Gefahr. Dabei entzieht sich Ayse Polat bewusst jeder Genrezuordnung und verbindet Sozialdrama mit Polit- und Mysterythriller.
„Im toten Winkel“ ist eine Produktion von Mitosfilm in Koproduktion mit WDR und ARTE, gefördert durch Filmförderung Hamburg, des Deutschen Filmförderfonds und der Beauftragten Bundesregierung für Kultur und Medien. Regie führte Ayse Polat, die auch das Drehbuch schrieb und als Koproduzentin fungierte. Die Kamera übernahm Patrick Orth. Produzent ist Mehmet Aktas. Die Redaktion im WDR liegt bei Andrea Hanke. Gedreht wurde von April bis Juni 2021 in der Türkei und Hamburg.
In den weiteren Rollen sind Max Hemmersdorfer, Ahmet Varli, Çagla Yurga, Nihan Okutucu und Aziz Çapkurt zu sehen.
Text: WDR - Presselounge
Lauflänge: 01:50:07