Ob grausame Herrscher oder apokalyptische Katastrophen - die Bibel ist voller sagenhafter Geschichten.
Doch was sind Mythen und was wahre Begebenheiten?
(S01_E01) Turmbau zu Babel
Der Turmbau zu Babel ist eine der beeindruckendsten Geschichten des Alten Testaments. Archäologen und Historiker suchen sein reales Vorbild. In den Ruinen Babylons und auf alten Schrifttafeln entdecken sie eine Welt, in der dieser Mythos entstanden ist.
Wenige Textzeilen werden zum epischen Mythos
Es sind nur neun Verse im Buch Genesis, doch sie faszinieren die Menschen seit Jahrtausenden. Einst, so heißt es dort, bauen die Menschen in Babylon, genannt Babel, einen Turm, der bis zum Himmel reicht. Gott sieht diesen kühnen Plan jedoch nicht gern. Er steigt vom Himmel herab und verwirrt ihre Sprache. Die Menschen, die vorher eine gemeinsame Sprache hatten, verstehen sich plötzlich nicht mehr. So kommen die verschiedenen Sprachen der Völker in die Welt. Und der Turm? Er bleibt unvollendet.
Was ist dran an dieser biblischen Geschichte? Die Spur führt ins Herz des Zweistromlands, des heutigen Irak. Dort liegt einst die blühende Metropole Babylon, die im zweiten und ersten Jahrtausend vor Christus zeitweise die größte Stadt der Welt ist. Im 6. Jahrhundert vor Christus regiert dort König Nebukadnezar II. Er erschafft ein Riesenreich und widmet sich prachtvollen Bauprojekten.
War ein fremde Kultur Vorbild für den Bau?
Seinen Machthunger trifft auch das jüdische Volk: Im Jahr 597 vor Christus erobert er Jerusalem. Viele Judäer werden nach Babylon verschleppt. Im Babylonischen Exil kommen sie mit einer fremden Kultur in Kontakt. Sie sehen einen von Nebukadnezars Prachtbauten, der all ihre Vorstellungen übersteigt. Liegt dort der Schlüssel zur Geschichte vom Turmbau zu Babel?
Archäologen und Historiker begeben sich auf Spurensuche. Die Dokumentation von ZDFinfo gibt spannende Einblicke in ihre Arbeit und berichtet über die neuesten Forschungsergebnisse.
Ob grausame Herrscher oder apokalyptische Katastrophen - die Bibel ist voller sagenhafter Geschichten. Doch was davon gehört ins Reich der Mythen? Und was beruht womöglich auf wahren Begebenheiten?
(S01_E02) Die Arche Noah
Die Forscher suchen nach Hinweisen. Im Irak stoßen sie auf frühe Hochkulturen, die von Hochwasserkatastrophen betroffen waren, und auf uralte Texte, die lange vor der Bibel von einer großen Flut berichten. Und vom Bau eines Schiffes, das ihr trotzen soll.
Alte Texte erzählen bereits die Geschehnisse
Im Süden des heutigen Irak, des antiken Mesopotamien, liegt einst das Reich der Sumerer – die Wiege der ersten Städte. In jahrtausendealten Keilschrifttexten wird von einem gewaltigen Unwetter berichtet, das als göttliches Strafgericht gilt. Und von einem Mann, der ein Boot bauen soll, um Leben zu retten. Die Parallelen zur biblischen Erzählung von der Sintflut sind verblüffend.
In der Stadt Uruk, der Heimat des legendären Königs Gilgamesch, belegen archäologische Funde, dass Überflutungen dort einst eine häufige Bedrohung darstellen. Die Spuren führen in trockene Wüsten, zu untergegangenen Kanalsystemen und zu tief im Gestein verborgenen Klimaarchiven. Sie zeigen: Die Menschen im alten Mesopotamien leben im ständigen Wechsel von Dürre und Überschwemmung.
Rekonstruktion dank Bauanleitung
Dies spiegelt sich auch in ihren Geschichten wider: Auf alten Tontafeln entdecken Archäologen und Historiker eine detaillierte Bauanleitung für eine Arche: Sie war kreisrund, riesig, aus Schilf, Holz und Bitumen gefertigt.
Könnte ein solches Schiff tatsächlich existiert haben? Die Dokumentation von ZDFinfo gibt spannende Einblicke in die Arbeit der Experten und berichtet über die neuesten Forschungsergebnisse.
Ob grausame Herrscher oder apokalyptische Katastrophen - die Bibel steckt voller sagenhafter Geschichten. Doch was gehört ins Reich der Mythen? Und was beruht womöglich auf wahren Begebenheiten?
(S01_E03) Sündenstadt Ninive
Unter dem irakischen Mossul liegen die Überreste der Metropole: mächtige Mauern, prachtvolle Reliefs, Bauten einer Kultur, die sich selbst als gewaltvoll inszeniert. Kann Ninive wirklich Buße tun, oder trifft die Stadt ein anderes Schicksal?
Maßnahmen gegen die Zerstörung - doch unwirksam?
Gott schickt den Propheten Jona nach Ninive, um die Bewohner zu warnen, dass er ihre Stadt zerstören werde, wenn sie keine Buße tun. Aufgeschreckt von dieser Prophezeiung besinnen sich die Menschen und zeigen Reue. Sogar die Tiere legen Bußgewänder an. Daraufhin verschont Gott die Stadt.
Diese Erzählung findet sich im Alten Testament. Doch wurde die Stadt tatsächlich vor ihrer Zerstörung verschont? Archäologische Funde deuten auf ein anderes Szenario hin und zeigen Spuren einer Verwüstung: verkohlte Mauern, Skelette und Überreste erbitterter Kämpfe. Ninive wird 612 vor Christus in einem Rachefeldzug seiner Feinde zerstört.
Adaption wahrer Ereignisse
Ist die Geschichte von Jona also nur eine Legende? Historische Quellen deuten auf eine politische Krise im 8. Jahrhundert vor Christus hin, die den wahren Kern des biblischen Mythos bilden könnte. Forscherinnen und Forscher zeichnen das Bild einer komplexeren Stadt als in der Überlieferung dargestellt: stolz, grausam – und selbst Opfer der Gewalt, die sie einst über andere gebracht hat.
(S01_E04) König Herodes
Herodes lässt Prachtbauten errichten: gewaltige Häfen, luxuriöse Paläste und große Aquädukte. All das sind Belege für einen Herrscher mit großem Ehrgeiz und strategischem Kalkül. Wie passt das zum Bild des biblischen Schreckenskönigs?
Ein König nach römischem Vorbild
Herodes (um 73 bis 4 vor Christus) wächst als Sohn eines idumäischen Politikers und einer nabatäischen Prinzessin auf. Ein Außenseiter, dem viele Judäer misstrauen. Doch er sichert sich immer mehr Macht: Mit römischer Unterstützung steigt er zum Statthalter auf und lässt sich 37 vor Christus zum König von Judäa ausrufen. Er modernisiert das Land nach römischem Vorbild, baut Häfen, Tempel und Paläste, fördert Handel und Infrastruktur – und hält sich eng an den Kaiser. Doch sein Weg ist blutig: Rivalen lässt er hinrichten, ebenso seine Ehefrau Mariamne und mehrere eigene Söhne.
Herodes ringt ständig zwischen Loyalität gegenüber Rom und Akzeptanz im eigenen Volk. Denn einerseits ist er ein Förderer von Kultur und Wohlstand, andererseits jedoch ein gnadenloser Tyrann. Am Ende bleiben vor allem zwei gegensätzliche Eindrücke von ihm: der brillante Baumeister und der grausame König, der in der Bibel als Inbegriff des Bösen dargestellt wird.
(S01_E05) Auszug aus Ägypten
Archäologen graben in Ägypten nach Spuren der biblischen Welt. Unter 3000 Jahren Sand finden sie mächtige Städte – und Hinweise auf verschleppte Arbeiter, Naturkatastrophen und politische Krisen.
Was ist dran an den zehn Plagen?
Die Erzählungen im Alten Testament sind dramatisch: Ägypten wird von zehn Plagen heimgesucht, darunter verseuchtes Wasser, Heuschreckenschwärme, Viehpest und schließlich der Tod aller erstgeborenen Söhne. Die Katastrophen werden als göttliche Strafe für den Pharao beschrieben, der die Hebräer nicht nach Israel ziehen lassen will. Doch sie fliehen bis zum Roten Meer. Als der Pharao sein Heer aussendet, teilt Moses mit göttlicher Hilfe die Wassermassen. Der Weg in die Freiheit für sein Volk ist frei.
Die Archäologie sucht nach den historischen Hintergründen dieser Legenden. Die Expertinnen und Experten finden Hinweise auf Seuchen, Hungersnöte und Naturkatastrophen, die einst zum kollektiven Gedächtnis gehören. Die Ägypter sind mächtig und erobern fremde Länder. Sie verschleppen Arbeitskräfte und setzen sie für heimische Bauprojekte ein.
Archäologische Funde sollen Fragen beantworten
Funde von Keramiken aus Kanaan, Darstellungen kanaanäischer Götter und fremdländische Waren zeigen, dass Menschen aus dem heutigen Israel damals tatsächlich in Ägypten leben. Ist das die Grundlage für die Erzählung im Buch Exodus?
Es ist eine Gründungserzählung, die bis heute fasziniert: der Sieg über ein allmächtiges Reich. Die Dokumentation von ZDFinfo berichtet über die neuesten Forschungsergebnisse der Archäologen und Historiker.
(S01_E06) König Salomo
Salomons Reich ist eng mit seinen Nachbarn verbunden, sowohl im Handel als auch in der Rivalität. Auch dort finden sich Spuren aus der Zeit des Königs. Es ist eine Welt zwischen Götterverehrung und Machtpolitik, in der Salomons sagenumwobener Ruhm wurzelt.
Sagenumwobener König mit vielen Errungenschaften
Die Bibel zeichnet das Bild eines mächtigen Salomon, der Verträge schließt, Frauen aus fremden Königshäusern heiratet und zugleich ein prachtvolles Reich errichtet. Mit den Nachbarkönigreichen Moab, Ammon und Edom haben die Israeliten eine ambivalente Beziehung - geprägt von Kooperation und Konkurrenz zugleich: Sie treiben Handel, führen Kriege, heiraten über Grenzen hinweg.
Überreste von Wasserreservoirs, monumentalen Mauern und reich geschmückten Wohnsitzen erzählen heute von ehrgeizigen Bauprojekten, die ganze Landstriche prägen. Es ist eine Welt, die sich rasant verändert. Als Großreiche wie Assyrien ihre Macht ausdehnen, geraten die kleinen Königreiche unter Druck. Während Ammon überlebt, wird Israel nach Salomons Tod zerschlagen und verwüstet. Aus dieser Zeit stammen die Erzählungen, die Salomon zum glanzvollen König verklären – als Symbol für eine scheinbar bessere, goldene Vergangenheit.
Text: ZDF
Lauflänge pro Folge: ca. 45 Min.