In einer französischen Kleinstadt führen Lucienne und Pierre unentdeckt ein Verhältnis.
Um dieses ungestört ausleben zu können, beseitigen sie ihre Ehepartner. Die Konsequenz ihrer Tat: es ist ihnen nun noch unmöglicher sich zu treffen. Claude Chabrol geht in "Blutige Hochzeit" (1970) der Frage nach, weshalb Menschen lieber einen Mord begehen, als ihre Gefühle offen zu zeigen.
In einer Provinzstadt an der Loire bleibt eigentlich nichts verborgen – vor allem kein Liebesverhältnis. Dennoch gelingt es Lucienne, der Frau des gaullistischen Abgeordneten Delamare, und Pierre, dem sozialistischen Stadtrat, verheiratet mit einer unheilbar kranken Frau, ihre Beziehung zu verheimlichen. Doch um ihr Glück auch wirklich gemeinsam genießen zu können, müssten sie frei sein. Pierre entdeckt, dass es ein Leichtes wäre, seine Frau mit einer erhöhten Dosis ihrer Medikamente zu töten, und ermordet sie tatsächlich. Jetzt steht nur noch Paul Delamare im Weg. Lucienne und Pierre beschließen, auch ihn zu töten. Doch die beiden Morde machen sie nicht frei. Im Gegenteil: Um keinen Verdacht zu erregen, dürfen sie sich nicht mehr sehen. Bis ein anonymer Brief bei der Polizei eintrifft.
Die Geschichte des Films beruht auf einer wahren Begebenheit, deren Protagonisten als die "Teufel von Bourganeuf" bekannt wurden. Doch Chabrol geht es in seinem Film nicht um die Schilderung des Verbrechens. Er nutzt den Fall zu einer subtilen, aber heftigen Attacke auf die französische Bourgeoisie und vor allem die damaligen politischen Verhältnisse. Einmal mehr steht in "Blutige Hochzeit" die Familie als Kernstück der bürgerlichen Gesellschaft im Mittelpunkt. Doch das vorgebliche Familienglück ist zerrüttet, die Ehen sind nur noch Fassade. Stattdessen: Ehebruch und Mord. Die erhoffte Freiheit entpuppt sich als Gefängnis der Konventionen. Was aber, so die zentrale Frage des Films, bringt die Menschen dazu, lieber einen Mord zu begehen, als ihre Gefühle offen einzugestehen?
Mit
Michel Piccoli (Pierre Maury), Stéphane Audran (Lucienne Delamare), Claude Piéplu (Paul Delamare), Clotilde Joano (Clotilde Maury), Eliana De Santis (Hélène Chevalier), François Robert (Auriol)
Regie: Claude Chabrol
Drehbuch: Claude Chabrol
Produktion: Les Films La Boëtie, Canaria Films, Italian International Film
Produzent/-in: André Génovès
Kamera: Jean Rabier
Schnitt: Jacques Gaillard, Monique Gaillard
Musik: Pierre Jansen
Land: Frankreich, Italien
Jahr: 1973
Herkunft: ARTE F
Text: arte.tv
Lauflänge: 01:32:22