1982 ist der italienische Showmaster Enzo Tortora mit seiner Sendung "Portobello" auf dem Höhepunkt seines Erfolgs.
Während ihm Millionen Herzen zufliegen, erhebt Giovanni Pandico, ein Mitglied der Camorra, Anschuldigungen gegen ihn, die Enzo die Freiheit kosten werden. Die Serie von Marco Bellocchio erzählt die wahre Geschichte eines der größten Justizskandale Italiens.
Die auf Tatsachen basierende sechsteilige Serie behandelt einen der größten Justizirrtümer der italienischen Geschichte. Der beliebte TV-Moderator Enzo Tortora, eines der bekanntesten Fernsehgesichter Italiens in den 70er und 80er Jahren, führte über sieben Staffeln lang durch die Primetime-Spielshow "Portobello", die beim italienischen Sender RAI ausgestrahlt wurde.
Unschuldig verurteilt (1/6)
Seine Sendung "Portobello", eine Mischung aus Unterhaltung, Kuriositäten und öffentlichem Marktplatz, erreicht bis zu 28 Millionen Zuschauer. Auch in den Gefängnissen wird die Show verfolgt. Dort schaut Giovanni Pandico zu, ein Vertrauter des Camorra-Bosses Raffaele Cutolo.
Als handgefertigte Spitzendeckchen eines Mithäftlings, die über "Portobello" verkauft werden sollen, abhandenkommen, steigert sich Pandico in den Verdacht hinein, Tortora habe ihn betrogen. Aus Bewunderung wird Feindseligkeit und schließlich die Obsession, ihn zu vernichten. Gleichzeitig geraten die Machtstrukturen der Nuova Camorra Organizzata ins Wanken: Cutolo verschwindet plötzlich aus dem Gefängnis und mit ihm weitere hochrangige Mitglieder der Mafia-Organisation. Pandico fühlt sich verraten und beginnt, mit den Ermittlern zu kooperieren. Zu deren Überraschung nennt er einen bekannten Namen: Enzo Tortora.
Marco Bellocchio zeichnet in der ersten Folge den Gegensatz zwischen Tortoras glanzvoller Fernsehkarriere und jener düsteren Welt nach, in der eine folgenschwere falsche Beschuldigung eine fatale Lawine auslöst.
Unschuldig verurteilt (2/6)
Mitten in der Nacht stürmt die Polizei Enzos Hotelzimmer und verhaftet ihn. Während die Presse über seine angeblichen Verbindungen zur Camorra und zum Drogenhandel spekuliert, versucht Enzos Anwalt herauszufinden, was ihm genau vorgeworfen wird. Doch die Staatsanwälte schweigen. Enzo kommt ins Gefängnis, und es scheint, als wäre das Urteil über sein Schicksal bereits getroffen.
Juni 1983: Aufgrund der Aussagen mehrerer Camorra-Mitglieder, darunter Giovanni Pandico und Pasquale Barra, durchsucht die Polizei mitten in der Nacht Enzos Hotelzimmer. Da er verdächtigt wird, Teil einer kriminellen Organisation und in den Drogenhandel verwickelt zu sein, kommt er in Untersuchungshaft. Tortora beteuert seine Unschuld und muss hilflos mit ansehen, wie die Anschuldigungen von Zeitungen und Fernsehen aufgegriffen und immer abstrusere Spekulationen weiterverbreitet werden. Aus dem beliebten Showmaster, den Millionen Italiener aus "Portobello" kennen, wird ein mutmaßlicher Mafioso.
Auch Enzos Lebensgefährtin Francesca ist verzweifelt: Da das Gefängnis nur Familienmitglieder als Besuch zulässt, kann sie nicht mehr an seiner Seite stehen. Nur seiner Schwester Anna gelingt es, ihn zu sehen. Hinter Gefängnismauern versucht Tortora zu verstehen, worauf die Vorwürfe überhaupt beruhen. Selbst sein Anwalt Raffaele Della Valle kann ihm das nicht erklären, denn die Staatsanwaltschaft verwehrt ihm die Verfahrensakten.
Die einzigen Anhaltspunkte kommen aus der Zeitung: Pandico behauptet, die Spitzendeckchen, die Barbaro damals an "Portobello" verschickt hat, wären ein Codewort für Drogen gewesen. Das soll der Beweis dafür sein, dass Enzo Drogen verkauft habe. Raffaele versucht, Enzo Hoffnung zu geben, die Wahrheit werde sicher bald ans Licht kommen. Doch Enzo merkt schnell, dass er für die Staatsanwaltschaft schon lange nicht mehr nur angeklagt ist.
Unschuldig verurteilt (3/6)
Enzo Tortoras Haft zehrt zunehmend an seiner Gesundheit. Während ein seltener Besuch seiner Töchter ihm Halt gibt und erste Stimmen öffentlich an seiner Schuld zweifeln, treibt Richter Giorgio Fontana die Ermittlungen gegen die Camorra und sein angebliches prominentes Mitglied voran. Die Anklage gegen Tortora nimmt immer konkretere Formen an.
Im Gefängnis leidet Enzo Tortora zunehmend unter den körperlichen und seelischen Folgen seiner Haft. Der Besuch seiner Töchter wird zu einem kurzen Moment der Nähe in einer Situation, in der er weitgehend von seinem bisherigen Leben abgeschnitten ist. Gleichzeitig wird sein Fall kontrovers diskutiert: Während viele Tortora für schuldig halten, äußern erste prominente Stimmen Zweifel an den Anschuldigungen.
Der Journalist Enzo Biagi stellt sich öffentlich hinter ihn und warnt vor einer vorschnellen Verurteilung. Unterdessen versucht Enzos Anwalt Raffaele Della Valle, ihn zu überzeugen, sich aufgrund seiner labilen Gesundheit in ein anderes Gefängnis verlegen zu lassen. Enzo zögert zwar aus Angst, er könnte privilegiert wirken, lässt sich schließlich jedoch darauf ein.
Zur selben Zeit arbeitet Richter Giorgio Fontana an seinem umfangreichen Verfahren gegen die Camorra. Die Aussagen der Kronzeugen, Giovanni Pandico und Pasquale Barra, bilden weiterhin die Grundlage für die schweren Vorwürfe gegen den Fernsehmoderator. Doch auch weitere vermeintliche Beweise tauchen in den Medien auf, darunter die Aussage des Malers Giuseppe Margutti. Er behauptet, Enzo beim Drogenverkauf selbst beobachtet zu haben, und hat von diesem Erlebnis einen Comic gezeichnet, den er an mehrere Medienhäuser verkauft. Fantasie und Wahrheit verschwimmen immer mehr, und die Staatsanwaltschaft scheint nicht mehr zwischen beidem unterscheiden zu können.
Unschuldig verurteilt (4/6)
Enzo wird so krank, dass ihm Hausarrest gewährt wird und er zu seinen Töchtern und seiner Geliebten Francesca zurückkehren darf. Währenddessen lädt die Staatsanwaltschaft weitere Zeugen vor, die Enzo zusätzlich belasten sollen. Doch als Enzo glaubt, alles wäre verloren, wird er als Kandidat des "Partito Radicale" vorgeschlagen, einem Posten mit politischer Immunität.
Nach fünf Monaten im Gefängnis wird Enzo Tortora wegen seines angeschlagenen gesundheitlichen Zustands unter Hausarrest gestellt. Endlich darf er wieder zu seinen Töchtern und seiner Geliebten Francesca. Doch während Francesca versucht, in den gemeinsamen Alltag zurückzufinden, machen Tortora die Angriffe der Medien auf seine Person zu schaffen. Als ihn schließlich Polizisten während einer medizinischen Untersuchung abholen und für eine Vorladung der Staatsanwaltschaft zehn Stunden im Krankenwagen nach Neapel fahren lassen, eskaliert die Situation.
Neue Camorra-Kronzeugen, darunter Gianni Melluso, behaupten, ihn zu kennen und ihn beim Drogenhandel gesehen zu haben. Tortora muss ohne Anwalt einem Belastungszeugen gegenübertreten und erleben, wie widersprüchliche Aussagen vonseiten der Justiz zu einem immer festeren Bild seiner vermeintlichen Schuld zusammengefügt werden. Enzo verliert völlig die Hoffnung, bis ihn eines Nachts überraschend ein Anruf von Marco Panella erreicht, der ihm als Vorsitzender einer radikalen Partei einen möglichen Ausweg anbieten möchte: Er soll als Kandidat für den "Partito Radicale" vorgeschlagen werden. Eine Position, die ihm politische Immunität verschaffen könnte.
Unschuldig verurteilt (5/6)
Neapel, 1985: Enzo Tortora steht gemeinsam mit Hunderten mutmaßlichen Camorra-Mitgliedern vor Gericht. Obwohl die Aussagen der Belastungszeugen immer mehr Widersprüche offenbaren, hält die Staatsanwaltschaft an ihren Beschuldigungen fest. Für Tortora wird der Prozess zur entscheidenden Prüfung im Kampf um seine Unschuld.
Neapel, 1985: Im Hochsicherheitssaal von Poggioreale beginnt der große Prozess gegen die Nuova Camorra Organizzata. Unter Hunderten Angeklagten sitzt auch Enzo Tortora, dem die Mitgliedschaft in der Camorra und Drogenhandel vorgeworfen werden. Seine Verteidiger, Anwalt Raffaele Della Valle und Professore Alberto Dall’Ora, hoffen, dass die Verhandlung endlich die Widersprüche der Belastungszeugen offenlegt. Tatsächlich geraten deren Aussagen zunehmend ins Wanken: Nadia Marzano erklärt, Tortora nicht persönlich zu kennen, und dass die angebliche Aufnahme von ihr und Enzo gar nicht existieren würde. Eine Wende im Prozess? Nein, denn das Gericht verweist auf Nadias labile Verfassung und nimmt ihre Aussage nicht zu den Akten.
Giovanni Pandico und Gianni Melluso hingegen halten an ihren Anschuldigungen fest. Doch im Kreuzverhör kann Melluso zentrale Fragen zu den Geschehnissen kaum beantworten. Er kann weder die genauen Übergabeorte für die Drogen bestätigen, noch kann er sich an das Aussehen von Tortora erinnern. Als Pandico Tortora schließlich sogar mit dem Tod seiner Mutter in Verbindung bringt, nimmt der Prozess immer absurdere Züge an.
Regisseur Marco Bellocchio konzentriert die fünfte Folge fast vollständig auf den Gerichtssaal und zeigt, wie aus widersprüchlichen Aussagen ein scheinbar geschlossenes Bild der Schuld entsteht – bis schließlich das Urteil über Tortora gesprochen wird.
Unschuldig verurteilt (6/6)
Im Berufungsverfahren wird der Fall Enzo Tortora neu aufgerollt. Der neue Richter Michele Morello stößt auf Fehler und Widersprüche in den Aussagen der Kronzeugen und fragwürdige Privilegien für sie. Während Tortora und seine Familie auf das Urteil warten, befürchtet Richter Morello, dass er sich mit seiner Kehrtwende im Verfahren einige Feinde machen wird.
Nach dem vernichtenden Urteil der Staatsanwälte, Enzo Tortora sei ein "zynischer Händler des Todes", dazu die Verurteilung zu zehn Jahren Haft und 50 Millionen Lire Geldstrafe, besteht wenig Hoffnung auf ein Berufungsverfahren. Doch der Fall wird an Richter Michele Morello übergeben, der den Prozess neu aufrollt. Er beginnt, die Beweise und Aussagen der ehemaligen Camorra-Mitglieder chronologisch zu sortieren – und stößt dabei auf Fehler, Auslassungen und eine auffällige Sonderbehandlung jener Mafiosi, auf deren Aussagen die Anklage beruht.
Je genauer er den Fall untersucht, desto deutlicher treten die Widersprüche in den Aussagen von Giovanni Pandico, Gianni Melluso und den anderen Belastungszeugen hervor. Außerdem findet Morello heraus, dass Giovanni Pandico unter Schizophrenie leidet, einer gestörten Realitätswahrnehmung, und Mythomanie, zwanghaftem Lügen, was dessen Aussagen in ein neues Licht rückt. Am Tag des Prozesses steht Tortora erneut mit seinen Anwälten vor Gericht. Wie wird das Urteil lauten?
Mit
Fabrizio Gifuni (Enzo Tortora), Barbora Bobulova (Anna Tortora), Lino Musella (Giovanni Pandico), Romana Maggiora Vergano (Francesca Scopelliti), Davide Mancini (Raffaele Della Valle), Paolo Pierobon (Alberto Dall'Ora). Alessio Praticò (Domenico Barbaro), Massimiliano Rossi (Pasquale Barra), Salvatore D’Onofrio (Michele Morello), Giovanni Buselli (Gianni Melluso), Irene Maiorino (Nadia Marzano), Alessandro Fella (Renato Vallanzasca)
Regie: Marco Bellocchio
Drehbuch: Marco Bellocchio, Stefano Bises, Giordana Mari, Peppe Fiore
Produktion: Our Films, Kavac Film, ARTE France
Produzent/-in: Lorenzo Mieli, Mario Gianani, Simone Gattoni
Kamera: Francesco Di Giacomo
Schnitt: Francesca Calvelli
Musik: Teho Teardo
Land: Italien, Frankreich
Jahr: 2025
Text: Arte.tv
Lauflänge pro Folge: ca. 60 Min